Oberste Geschossdecke dämmen ohne Dampfbremse

07. Februar 2018
Oberste Geschossdecke dämmen ohne Dampfbremse

Wärme steigt nach oben. Die Dämmung der obersten Geschossdecke minimiert den Wärmeverlust = Energieeinsparung = Geld gespart. 

Wir haben unsere Holzbalkendecke (Massivbau, Baujahr 1968) mit Cellulose durch offenes Aufblasen gedämmt - ohne Dampfbremse. Warum und wie erfährst du nachfolgend.


Wann macht die Dämmung der obersten Geschossdecke Sinn?

Wenn der Dachboden nicht mehr als beheizter Wohnraum genutzt werden soll/kann und bisher nicht ordentlich gedämmt wurde. 

Im Altbau ist das eine der lohnendsten Investitionen zur Energieeinsparung. 

Achtung: die Dachbodentreppe sollte ebenso luftdicht und gedämmt erneuert werden. Sonst kann durch Luft-Thermik viel Wärme entweichen.


Die beste und günstige Dämmung der Geschossdecke

Viele Lösungen haben wir durchgespielt und berechnet. Das offene Aufblasen mit Cellulose war die beste Wahl hinsichtlich Schnelligkeit, Preis, Langlebigkeit und dem Schutz vor Bauschäden. 

Vorteile:

  • Hochtragen des Dämmmaterials entfällt
  • Schnell durch Einblasen über Schlauch vom Garten aus
  • Vorbereitung ist in Eigenleistung möglich
  • Fugenlos und frei von Hohlräumen
  • Kapillaraktiver Dämmstoff = Feuchte wird reguliert 
  • Aufwändiges Verlegen der Dampfbremse entfällt
  • Hohe Masse = guter Hitzeschutz im Sommer, gute Dämmwirkung im Winter

Nachteile: 

  • Es staubt beim Einbringen (ist mit Atemschutz gut zu bewältigen)
  • Durch das offene Aufblasen ist nicht der komplette Dachboden begehbar 


Schritt für Schritt Anleitung - Oberste Geschossdecke dämmen ohne Dampfbremse

1. Freiräumen der Zwischenräume zwischen und über den Holzbalken

Der Aufbau bisher war mit Styropor zwischen den Balken. Nahezu ohne Wirkung, da die Wärme durch die Fugen durchwandern konnte. Oben drüber lagen Holzbretter. Die Styroporstücke wurden händisch rausgeholt und entsorgt. Einige Bretter haben wir für die Konstruktion von Laufstegen verwendet.

Dachboden Holzbalkendecke Styropor

Teilweise waren die Zwischenräume mit Hochofenschlacke (schwarzes Granulat) aufgefüllt. Diese enthält vermutlich Schwermetalle und weitere gefährliche Stoffe. 

Starke Staubbildung bei der Entfernung - bitte Atemschutz tragen und ggf. leicht befeuchten.

Tipps für deinen Gesundheitsschutz: Dräger Vollmaske oder Dräger Halbmaske sowie Schutzanzug.

Schlacke Holzbalkendecke

Hochofenschlacke in der obersten Geschossdecke zwischen den Holzbalken


2. Aufbau einer Konstruktion für die Laufwege

Weiche Einblasdämmstoffe sind nicht zum drüber laufen geeignet. Daher empfehlen sich Laufstege oberhalb der Dämmschicht z.B. falls der Schornsteinfeger an die Schornsteinklappe muss oder am Dach irgendetwas sein sollte. 

Die Höhe der Laufstege ist abhängig von der Dämmstärke - bei uns > 20 cm. Sie lassen sich  über eine verschraubte Holzkonstruktion realisieren. 

Oberste Geschossdecke dämmen ohne Dampfbremse


3. Einblasen der Cellulose - Dämmung

Hierfür werden spezielle Maschinen benötigt. Meistens haben Zimmereien entsprechende Ausrüstungen und Erfahrungen. Auch den Hersteller der Dämmstoffe kann man nach Fachbetrieben fragen. 

In der Regel stehen die Einblasmaschinen auf einem Fahrzeug, auf der Straße oder in der Einfahrt. Die Schläuche können durchaus 60m und länger sein.

Einblasen Cellulose Daemmung


4. Staubreduzierung durch Befeuchten

Um beim erneuten Öffnen der Dachtreppe die Staubbildung zu minimieren solltest du die Oberfläche leicht mit einem Drucksprühgerät (mit Wasser) befeuchten.  

Dadurch vernetzt sich die Cellulose klebt in der obersten Schicht etwas zusammen. 

Cellulose Dämmung Dachboden


Warum mit Cellulose dämmen?

Top Hitze & Kälteschutz

Falls du über die Wärmeleitfähigkeit stolperst - der sogenannte Lambda-Wert (λ-Wert) beschreibt den Wärmeverlust eines Dämmstoffes. 

Cellulose erreicht sehr gute Werte von ca. 0,040 W/mK. Manche Mineralwolle oder Styropor-Dämmstoffe sogar noch niedrigere Werte, allerdings gibt es einen Unterschied von Theorie und Praxis. Der Lambda-Wert (λ-Wert) wird bei Temperaturunterschieden im Plusbereich ermittelt. Sinnvollerweise sollte dies zwischen ca. -5°C und 22°C im Innenbereich getestet werden. 

Ein interessanter Versuch ist auf dem folgenden Bild zu sehen. 

Vergleich D  mmstoffe W  rmeleitf  higkeit

Von Links nach Rechts: Cellulosedämmung (22,7 °C), Mineralwolle (35,8°C), Holzfaser (24,4 °C). 

Die Dämmstoffe wurden in der derselben Dicke eingebracht. Darunter sind Wärmesensoren. Infratrotlampen erzeugen Wärmestrahlung. Nach wenigen Minuten sind deutliche Unterschiede bei den Temperaturen zu erkennen. Dies setzte sich weiter fort und demonstrierte eindrucksvoll wie Wärmestrahlen unterschiedlich durchgelassen werden.  

Ökologisch
Zeitungen werden gelesen und entsorgt. Reststoffe die eh anfallen. Nachhaltiger gehts kaum.

Schallschutz

Lärm führt zu Stress - bewusst und unbewusst und wer will schon die Nachbarn bei jedem Schritt hören. Schalldämmung wird durch Masse und eine große innere Oberfläche optimiert. 

Cellulose liefert beides und kann sowohl im Dach, als auch in Wänden eingesetzt werden. 

Brandschutz 

Zeitungen brennen doch - ist das nicht gefährlich wegen Feuer? Diese und ähnliche Aussagen habe ich schon öfter in einem Forum gesehen. 

Bei einem Versuch mit einem Bunsenbrenner habe ich gesehen wie die Cellulosedämmung in der Hand gehalten wurde (bitte nicht nachmachen :-)). Gebrannt hat nichts. 

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In Praxistests hielt die Dämmung über 120 Minuten direkte Beflammung aus. Bei Hitzeeinwirkung werden Wasserkristalle freigesetzt und das führt zu löschenden Eigenschaften. Durch Feuer bildet sich eine Carbonschicht an der Oberfläche, die einer Ausbreitung entgegenwirkt. Die luftdichte Einbringung unterstützt ebenso den Brandschutz. 

Luftdichtheit

Eine Dämmung ist nur so gut wie der schwächste Punkt. Gibt es Fugen, Ritze, Löcher steigt warme Luft im Winter an dieser Stelle durch und kondensiert an kalten Flächen z.B. im Dach = Risiko von Feuchte- und Schimmelschäden. 

In der Holzbalkendecke gibt es unterschiedliche Aussparungen - eine große Schraube hier, eine Kabel dort, ein Hohlraum in einer Ecke. Bei uns wäre das mit Plattenwerkstoffen nahezu unmöglich gewesen.

Holzbalken und anderen Bauteile bewegen sich (Dehnung und Schrumpfung durch Temperatur und Feuchte-Schwankungen). Beim Einblasen wird Cellulose zu einer dichten und elastischen Schicht und kann diese Bewegungen mitmachen. Durch die Flockenstruktur bildet sie eine luftdichtende Schicht. 

Feuchteschutz - Dampfbremse überflüssig

Üblicherweise wird unter der Dämmung eine Dampfbremse (nicht  Dampfsperre) verlegt. Das  ist eine Folie, die die Feuchtigkeitswanderung bremst. 

Sehr oft kommt es in der Praxis zu Durchdringungen wie Elektroleitungen, Anschlüsse, Steckdosen, Sanitärrohre, Klebestreifen die sich lösen oder Nägel auf die getreten wird. Hier besteht das Risiko, dass feuchte warme Luft kondensiert und Schimmel wächst.

Im Gegensatz zu Styropor und Mineralwolle kann Cellulose Feuchtigkeit sehr gut durch seine Kapillaren transportieren und in beide Richtungen weitergeben. Damit Feuchtigkeit sich im Dachbereich nicht stauen kann, ist eine Be- und Entlüftung generell empfehlenswert. 

Warum Climacell - Cellulose - Dämmung?

Mehrfach, geprüfte Qualität. 

Ich kenne den Betrieb, die genauen Inhaltsstoffe, Laborprüfungen auf Emissionen und Schadstoffen und habe Umweltparameter geprüft. 

Die Rückmeldungen unserer Mitglieder (> 280 Handwerksbetriebe, Architekten, Bausachverständige) sind sehr positiv. 

Meine Entscheidung war bei diesem Fall ganz klar für die Cellulose. Jedes Bauvorhaben ist unterschiedlich und kann in eine andere Empfehlung resultieren.

Für dein individuelles Bauprojekt suche ich dir gerne eine Lösung die lange hält, mehrere Sicherheiten für Bauschäden besitzt und zudem deine Gesundheit berücksichtigt. 

Solltest du noch eine offene Frage oder ein Problem mit deiner Dämmung haben - melde dich gerne per E-Mail unter info@bauberater-kdr.de.

Dipl.Ing. Waldemar Bothe
Bausachverständiger kdR
Geruchsprüfer
Vorstandsmitglied der DGUHT e.V. - aktiv für Mensch und Umwelt
Leiter des Bundesverband Bauberater kdR

Weitere Infos zu der verwendeten Cellulosedämmung: www.climacell.de

Atmest du gerne Schadstoffe ein?

Nein - wir auch nicht. 

Da die Luft unser wichtigstes Lebensmittel ist, schauen wir genauer auf die Produkte, die wir empfehlen. Gemäß dem Motto "was nicht drin ist kann auch nicht rauskommen" arbeiten wir mit volldeklarierten Produkten (Angabe aller Rohstoffe / Inhaltsstoffe), die möglichst noch unabhängig überprüft wurden. Höchste Gesundheits- und Umweltverträglichkeit ist unser Anspruch. 

Daher steht kdR für kontrolliert deklarierte Rohstoffe.


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